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Lesetips für den 12.05.10 (Macht & Herrschaft II)
Wichtige Begriffe:
Macht (Nullsummenspiel vs. Ordnungsstiftung), Herrschaft
Wiederholung:
In der letzten Stunde haben wir einen Blick auf Bourdieus Ungleichheitstheorie geworfen. Zwei Dinge haben wir uns genauer angesehen: 1) Bourdieus Klassentheorie, d.h. die Theorie des sozialen Raums, die von einem kulturellen Klassenkampf zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft ausgeht. 2) Bourdieus Feldtheorie symbolischer Produktion. Als Mikrokosmos in einem Makrokosmos ist das Feld ein relativ autonomer Bereich, in dem die Produzenten nach Anerkennung streben und Positionen zu besetzen versuchen. Das Verhältnis zwischen den Produzenten ist keine Auseinandersetzung unter Gleichen. Das in der Familie erworbene Kapital privilegiert bestimmte Produzenten gegenüber anderen. Die Bildungsinstitutionen konstituieren für Bourdieu ein Feld, das von einem geistlich-kulturellen Pol (links) und einem weltlich-ökonomischen Pol (rechts) aufgespannt wird. Schule ist für Bourdieu kein Mittel zum sozialen Aufstieg, sondern zur Verfestigung der Klassenherrschaft.
Bemerkungen zur aktuellen Stunde:
In dieser Stunde werden wir uns mit Macht & Herrschaft beschäftigen. Macht bezeichnet den Umstand, dass wir nicht immer so können, wie wir wollen. Macht wird definiert als das Vermögen zu handeln, mit Weber genauer als die Chance, den eigenen Willen gegen andere durchzusetzen. Damit wird unterstrichen, dass Macht nicht ausgeübt werden muss, um zu existieren, und sich immer auf eine andere Seite bezieht. Meist geht es dabei um ein begehrtes Gut. Wichtig ist, dass Macht aus soziologischer Perspektive nicht per se gut oder schlecht ist. Macht kann situativ wirken (zwischen zwei Akteuren "hier und jetzt") oder strukturell angelegt sein, d.h. als ungleich verteilte Lebenschancen. Wer als mächtig gilt, hängt immer auch von der Wahrnehmung der Akteure ab. Der Machtbegriff ist vieldeutig, und ich werde ihn in mindestens zweierlei Hinsicht unterscheiden: Erstens werde ich auf Macht als Nullsummenspiel eingehen. Wer Macht hat, übt sie aus gegenüber denen, denen Macht fehlt. In der Summe ist der Saldo Null. Dagegen gehen Sichtweisen, die die ordnungsstiftende Funktion von Macht betonen, davon aus, dass der Saldo immer positiv ist. Gesellschaften brauchen Macht, um angesichts der widerstreitenden Interessen ihrer Mitglieder eine gewisse Einheit herzustellen. Macht ist demnach notwendig, um die Gesellschaft zusammenzuhalten und ihre Mitglieder zu disziplinieren, ohne dass es jemanden gäbe, der nicht auf bestimmte Weise von der Macht unterworfen wird. Das Problem des Machtbegriffs ist seine relative Diffusität, kann doch jedwede Beeinflussung des Verhaltens anderer als machtvolles Handeln betrachtet werden. Jemand übt Macht aus, wenn er mit einer Pistole bewaffnet in die Bank kommt und Geld erzwingt. Regelmäßig wird er auf diese Weise aber nicht an Geld kommen, da sein Handeln nicht als legitim gilt. SoziologInnen ziehen es daher vor, Herrschaft (als eine spezielle Ausprägung der Macht) zu betrachten. Herrschaft ist legitime, d.h. anerkannte Macht. In Gestalt von Herrschaft kann Macht auf Dauer gestellt werden, beispielsweise in den verregelten Verhältnissen zwischen Chef und Angestellten in Unternehmen. Der Chef kann Dinge von seinen Untergebnen verlangen, wobei seine Machtausübung legitim ist. Besonders "praktisch" für die Machthabenden ist verregelte, legale Herrschaft.
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