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Die Internationalisierung des Hochschulwesens.
Eine Diskursanalyse der Hochschulreformen in Frankreich und Deutschland
J.A. mit B. Schmidt, Montpellier 3, Frankreich


Seit rund zwanzig Jahren sind sowohl das deutsche als auch das französische Hochschulwesen einem tiefgreifenden Wandel unterworfen. Angesichts von Bologna-Prozess und Exzellenzinitiativen, internationalen Vergleichen und Evaluationen (z.B. "Shanghai- Ranking") und neuer Leitbilder (z.B. der "unternehmerischen Universität") finden Reformen statt, die häufig mit Phänomenen internationalen und transnationalen Ursprungs erklärt werden (Globalisierung, Europäisierung, Wissensgesellschaft, Standortkonkurrenz usw.). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß in den Diskursen zur Hochschulreform auf internationale Legitimationsinstanzen verwiesen wird, wo doch die Bildungspolitik sowohl in Frankreich als auch in Deutschland in die politische Kernkompetenz des Nationalstaats bzw. seiner Länder fällt.
Das Projekt IDISC untersucht den Einfluss öffentlicher Debatten auf die Hochschulreformen in Frankreich und Deutschland von den 1990er Jahren bis heute im Hinblick auf ihren Beitrag zur Entstehung eines transnational organisierten Hochschulraums. Die Wahl Deutschlands und Frankreichs erklärt sich durch ihre besondere Rolle als "Motor" der europäischen Integration. Einerseits verfügen beide Länder über unterschiedliche hochschulpolitische Traditionen; andererseits ist die Politik beider Länder über ihre Einbettung in die europäischen Institutionen miteinander verzahnt.
IDISC arbeitet mit qualitativen und quantifizierenden Methoden der Diskursanalyse und besteht aus drei Teilen: 1) In einem historisch-kontextualisierenden Teil werden die institutionellen Traditionen und der Wandel der beiden akademischen Systeme beleuchtet, in welche die Diskussionen über die Hochschulreformen eingebettet sind.
2) In einem dokumentanalytischen Teil werden die Erklärungen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und ihres französischen Pendants CPU sowie die hochschulpolitische Fachpresse im Hinblick auf das diskursive Feld der Positionierungen untersucht.
3) In einem quantifizierenden Teil werden Korpora aus Texten der nationalen Presse mit Blick auf die thematisch-semantische Organisation des massenmediealen Diskurses analysiert.
Das Ziel von IDISC als interdisziplinärem, binationalem und komparativem Projekt besteht darin, mit einem Team aus Soziologen, Historikern und Linguisten und mittels eines gemeinsamen Werkzeugs, der Diskursanalyse, zu einem besseren Verständnis der aktuellen Hochschulreformen im europäischen Hochschulraum beizutragen.